INTERVIEW MIT FRANK KREMER (GESCHÄFTSFÜHRER)

PROF. DR. EGGERS-STIFTUNG 

Hallo Herr Kremer, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns ein paar Fragen zu beantworten. 

Bevor Sie Geschäftsführer bei der Prof. Dr. Eggers-Stiftung wurden, waren Sie 10 Jahre in der Erwachsenenpsychiatrie beschäftigt. Wie stark empfanden Sie die Belastung für die Betroffenen und Angehörigen durch Stigmatisierungen? 

Diskriminierung und Stigmatisierung sind sozusagen als eine zweite Diagnose anzusehen, die die Betroffenen zusätzlich in eine schwierige Lage versetzen und demzufolge i. d. R. stark belasten. Bei der Suche nach eigenem Wohnraum, auf der Suche nach Ausbildung und/oder einer regulären Beschäftigung usw. haben die Betroffenen automatisch schlechtere Chancen, stoßen auf Unverständnis und werden abgelehnt. 

Wie und wo bekommen Betroffene und Angehörige Hilfe, d.h. gibt es bestimmte Anlaufstellen/ Hilfestellungen für Betroffene oder Angehörige, bevor eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde? 

Zunächst einmal kann sich jede/r Betroffene an seinen Hausarzt wenden und um Unterstützung bitten. Im Bedarfsfall können diese Überweisungen an (Kinder- und Jugend-) Psychiater/Psychotherapeuten ausstellen. Junge Menschen und deren Angehörige können sich darüber hinaus an das für sie zuständige Jugendamt wenden und/oder auch an Ambulanzen der Kinder- und Jugendpsychiatrien. Erwachsene haben die Möglichkeit Sozialpsychiatrische Dienste, Sozialpsychiatrische Zentren, Ambulanzen der Allgemeinen Psychiatrien u.ä. zu kontaktieren. Wichtig ist es, sich über diese Stellen Unterstützung und Hilfe zu holen. Bei Bedarf sollte möglichst frühzeitig eine Diagnostik erfolgen, um anschließend eine gelingende Therapie einzuleiten. Früherkennung spielt sowohl bei somatischen als auch bei psychischen Erkrankungen eine wichtige Rolle.  

 

Wie wirkt sich die Stigmatisierung auf den Behandlungsprozess aus? 

Nicht wenige Patienten stigmatisieren sich auf Grund der externen Benachteiligung selber, fühlen sich wertlos, haben ein geringes Selbstwertgefühl. Der Behandlungsprozess wird natürlich dadurch verkompliziert und erschwert. Für die Betroffenen ist es wichtig, Erfolgserlebnisse zu generieren, hierbei sollten sie grundsätzlich positiv bestärkt und gefördert werden. 

Warum denken Sie, dass psychische Erkrankungen heutzutage immer noch so stark negativ belastet sind? 

Außenstehende können die Dimensionen psychischer Erkrankungen oftmals nicht erfassen, verharmlosen diese oder haben umgekehrt Angst vor Menschen mit psychischen Störungen. In der Allgemeinbevölkerung besteht immer noch sehr viel Unwissen über die einzelnen Formen psychischer Krankheiten. Manche Menschen haben natürlich auch Angst davor, selber psychisch zu erkranken. Hier bedarf es weiterer intensiver Aufklärung. 

Wie wichtig finden Sie die Kampagne "ROCKEN HILFT", die versucht für das Thema zu sensibilisieren und Ihre Stiftung unterstützt? Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere von "ROCKEN HILFT"? 

Die Prof. Dr. Eggers-Stiftung fördert jüngere psychisch erkrankte Menschen von ca. 15 – 30 Jahren, also genau die Zielgruppe, die vom Alter her üblicherweise Rockkonzerte besucht. Die Patienten haben die Möglichkeit angstfrei ein solches Event mitzuerleben und darüber hinaus Gleichaltrige kennenzulernen. Umgekehrt können die Besucher auch Kontakt zu psychisch kranken Menschen aufnehmen und somit erleben, dass die gängigen Vorurteile nicht stimmen. Menschen mit psychischen Erkrankungen sind genauso normal wie alle anderen auch. Es ist naiv und dumm, diese Personen auszugrenzen. Im Gegenteil, diese Leute haben - wie alle anderen auch - unser aller Respekt und Unterstützung verdient! 

Kampagnen wie ROCKEN HILFT sind ungemein wichtig für die Patienten, aber auch für professionelle Leistungserbringer wie unsere Stiftung. Mit solchen Aktionen wird auf die Situation der Betroffenen aufmerksam gemacht, Vorurteile werden dadurch abgebaut. Insofern gilt Helfen Bewegt e. V. bzw. ROCKEN HILFT der allergrößte Dank. Mit den potentiellen Spenden können wir darüber hinaus weitere Angebote finanzieren, welche aus der gängigen Regelfinanzierung nicht realisierbar wären. 1000 Dank und Glück auf! 

 

Interview geführt von Jennifer Pamperin 

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